Schule im Herbst

Endlich waren die Sommerferien vorbei und das Warten der I-Dötzchen hatte nach sechs Wochen ein Ende gefunden. Mitte Juni hatten die elf neuen Erstklässler unserer Schule ihre Kindergärten als Große verlassen, um nun an unserer Schule als die Jüngsten einen bedeutenden Schritt auf ihrem Lebensweg zu gehen. Endlich Schulkind!

waldorfschule einschulung 2018

©Siedenberg

Am vergangenen Donnerstag war es schließlich soweit. Die Kinder haben sich für diesen wichtigen Tag in ihrem Leben schön gemacht: Die Lieblingskleider wurden angezogen, die Haare von den Eltern oder älteren Geschwisterkindern gebürstet und vielleicht sogar frisiert, der Schulranzen wurde schon am frühen Morgen immer wieder aufgesetzt und es folgte unentwegt die Frage: "Wann fahren wir denn zur Schule? Wann geht es denn los?" Wir Eltern schwankten zwischen Rührung und Vorfreude und waren fast genauso aufgeregt wie unsere kleinen "großen" Kinder. Die Zeit schien gar nicht verstreichen zu wollen. Aber das gute an der Zeit ist ja, dass sie von ganz allein Schritt um Schritt, Sekunde um Sekunde vergeht. Irgendwann ist es dann doch halb zehn Uhr geworden und wir konnten uns ins Auto setzen und zur Schule fahren. Auf ging's nach Bruchhausen-Vilsen. Mit Herzklopfen und Freude. Strahlende Augen und freudige Gesichter dann auch dort vor Ort. Den anderen Erstklässlern und ihren Familien schien es genauso zu ergehen wie uns. Auf dem Schulparkplatz trafen immer mehr I-Dötzchen mit ihren Angehörigen ein. Zu erkennen waren sie an ihren hübschen Blumenkränzen, die sie würdevoll auf dem Kopf trugen. Die Schultüten mussten noch im Auto warten, denn die sollte es erst später nach der ersten Unterrichtsstunde geben.

Wie im Fluge verging nun die Zeit. Erst warteten wir vor dem Schulgebäude darauf, eingelassen zu werden. Von drinnen hörte man immer mal wieder Geräusche emsigen Schaffens. Gestalten huschten hiinter dem Vorhang am Eingang hin und her, es wurde geklappert und gekichert. Draußen kamen wir mit den anderen Eltern ins Gespräch und konnten von ihnen erfahren, dass die zurückliegenden Ferien ganz besondere waren. Wir konnten nicht herausfinden, ob die Schulkinder oder ihre Eltern aufgeregter vor diesem besonderen Tag waren. 

Und auch diese Zeit des Wartens fand ihr Ende, und so wurden wir ins Foyer geleitet, in dem schon alle anderen Schulkinder, Lehrer der Schule und die fleißigen Helferinnen des Veranstaltungskreises auf uns warteten. Mit lieben Worten wurden wir willkommen geheißen und dann vollzog sich der lang ersehnte Wandel unserer Kinder vom Kindergarten- zum Schulkind. Sie wurden einzeln bei ihrem Namen aufgerufen und von einem Blumenkind einer höheren Klasse mit einer Sonnenblume begrüßt. Mit einem beherzten Schritt durch den Blumenbogen ging ein jedes Kind seiner Klassenlehrerin, Frau Freiling, entgegen, die es mit lieben Worten auf der anderen Seite des Bogens als Schulkind begrüßte und zu seinem Platz auf der Schulbank der Erstklässler begleitete. Und nach einer Weile saßen alle elf Kinder dort: Die neue erste Klasse der Waldorfschule in Bruchhausen-Vilsen!

Frau Bulling, die Musiklehrerin, intonierte Bach, und die großen Schulkinder begrüßten die Neuen mit einem Sonnenlied. Wir hörten den ersten Teil des Grimmschen Märchens "Die drei Federn". Die Fortsetzung der Geschichte blieb den Erstklässllern vorbehalten, die mit Frau Freiling das Foyer verließen, um in die erste Unterrichtsstunde zu entschwinden. Wir Eltern stärkten uns derweil mit Kaffee, Kaltgetränken und Knabbereien, um dann unsere Kinder mit den reich gefüllten Schultüten nach der ersten Unterrichtsstunde zu empfangen.

Der Ausdruck in den Gesichtern der Kinder hatte sich verändert. Sie schienen innerlich gewachsen zu sein und schauten uns mit anderem Ausdruck an. Aus ihm sprach die Gewissheit, dass auch sie die Bedeutung dieses Tages empfunden und erkannt hatten und sich bewusst waren, nun einen neuen Weg in ihrem Leben zu beschreiten. Wir als Eltern und die gesamte Schulgemeinschaft wollen unsere Kinder auf diesem Weg begleiten und ihnen helfen, diesen kraft- und vor allem freudevoll zu erleben. Die Sonne war zur rechten Stunde hinter den Wolken hervorgekommen und strahlte, als wollte sie uns sagen: Ich leuchte euch den Weg, den ihr nun gehen werdet.